100. „Bochumer“ Kind in der Be-Up-Studie geboren

Gerade erblickte Paula Driesel in den Bochumer Augusta Kliniken das Licht der Welt. Die Neu-Bochumerin ist das 100. Kind, dessen Mutter an der Aufsehen erregenden Studie "Be-Up: Geburt aktiv" teilgenommen hat. Das Augusta ist mit seinen jährlich fast 1.000 Geburten eine von bundesweit nur zwölf Geburtskliniken, die an dieser innovativen Studie beteiligt sind. „Das Studienkonzept hat uns überzeugt“, sagt der leitende Arzt Benedikt Gottschlich. “Wir wollen den Frauen ein zusätzliches Angebot machen.“ Julia und Andreas Driesel haben das für Paulas Geburt sehr gern angenommen.

"Be-Up: Geburt aktiv" ist eine international einzigartige Studie, die untersucht, inwieweit ein alternativ gestalteter Gebärraum Auswirkungen auf die Geburt hat. Sie stützt sich auf bisherige Forschungserkenntnisse, nach denen unterschiedliche aufrechte Körperhaltungen während der Wehen und der Geburt die Wahrscheinlichkeit erhöhen, eine natürliche Geburt zu erleben.

„In einer aufrechten Körperhaltung“, sagt Benedikt Gottschlich, „ist die Gebärmutter besser durchblutet und das Kind hilft mit seinem Gewicht und der Schwerkraft bei der Geburt mit und kann sich besser im mütterlichen Becken bewegen.“ Außerdem gebe es Erkenntnisse, dass die Gebärenden mit ihrer Geburt zufriedener sind, wenn sie während der Wehen selbstbestimmt alle Körperpositionen einnehmen können, die sich für sie gut anfühlen.

Jeder Gebärraum im Augusta-Kreißsaal ist so eingerichtet, dass Gebärende die Möglichkeit haben, während der Geburt unterschiedliche Körperhaltungen und Positionen einzunehmen und sich zu bewegen. Dieser alternative Gebärraum ist anders eingerichtet: darin liegen eine hohe Matratze und eine Bodenmatte mit mobilen Schaumstoffelementen, wo die Frauen sich während der Wehen abstützen, anlehnen und darauf setzen können. Dazu gibt es Poster, die Anregungen für verschiedene Körperpositionen geben. Die Frauen können sich mit ihrer Begleitperson an einen Tisch setzen, etwas trinken und Snacks zu sich nehmen. Sie können über einen Monitor Naturszenen ansehen und sich entspannen und ablenken. Auch das Licht können sie selbst einstellen und dimmen.

Mitmachen können schwangere Frauen, die sich in den Augusta Kliniken eine natürliche Geburt wünschen und deren Kind zum Ende der Schwangerschaft mit dem Kopf nach unten liegt.

Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig, aber nicht selbstverständlich: Voraussetzung für die Teilnahme ist nämlich, dass zum Zeitpunkt der Aufnahme in den Kreißsaal der alternative Gebärraum und ein üblicher Gebärraum frei sein müssen.

Hebamme Renate Superniok begleitete die Familie Driesel. „Aus meiner Erfahrung“, sagt sie, „hilft die aktive Geburt dabei, die Wehen gerade in der Eröffnungsphase besser zu ertragen und sorgt für gute Geburtsfortschritte.“ Julia Driesel hatte beim ersten Kind einen Kaiserschnitt. „Auch durch Be Up“, sagt Benedikt Gottschlich, “war jetzt für Paula (3370 g) eine normale Geburt möglich.“

Info:

Unabhängig davon, in welchem Raum sich eine Frau befindet, erhalten Mutter und Kind im Augusta die bestmögliche individuelle Hebammen-Betreuung und medizinische Überwachung. Wenn die Frau es möchte und wenn bei der Geburt medizinische Maßnahmen erforderlich sind, kann jederzeit auch im alternativen Gebärraum das Entbindungsbett genutzt werden.

Die Studie "Be-Up: Geburt aktiv" wird von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit der Hochschule für Gesundheit Bochum durchgeführt. Die Studienleitung hat Frau Dr. Gertrud M. Ayerle, deren Stellvertretung ist Frau Prof. Dr. Rainhild Schäfers (hsg Bochum).

Bis 2020 können ca. 4.000 Frauen an der Studie teilnehmen. Vor der Entlassung aus der Klinik und drei Monate nach der Geburt geben die Teilnehmerinnen der Studie in einem Fragebogen Auskunft über ihre Geburtserfahrung und zur aktuellen Gesundheit von Mutter und Kind.

Weitere Informationen zur Studie können im Internet unter www.be-up-studie.de abgerufen werden.