“Wache ich wieder auf?“

Eine der häufigsten Fragen an den Anästhesisten ist, ob man nach einer Vollnarkose auch wieder aufwacht. Diese Sorge ist heutzutage unbegründet, denn das Sterberisiko (Mortalität) liegt während einer Narkose bei 0,008 bis 0,009% und ist somit kaum höher als im wachen Zustand.

Während einer Vollnarkose werden die vitalen Funktionen des Menschen wie Herzschlag, Blutdruck, Sauerstoffgehalt des Blutes, Atemfrequenz und Atemtiefe fortlaufend überwacht. Gleichzeitig können die Narkosetiefe mit kontinuierlicher Hirnstrommessung und die Funktion der Muskulatur mit der Relaxometrie überprüft werden.

Bei Patienten mit vielen Begleiterkrankungen oder bei großen Eingriffen in Bauch- und/oder Brusthöhle kann die Überwachung um eine perioperative Ultraschalluntersuchung des Herzens, die Echtzeitanalyse des Blutdruckes und der Herzleistung und eine indirekte Sauerstoffgehaltsmessung des Gehirns erweitert werden.

Der Anästhesiearzt betreut seinen Patienten über die gesamte Zeit der Narkose und weiß daher zu jedem Zeitpunkt, wie es um seinen Patienten steht und kann somit die Narkose in jeder Situation individuell steuern.

Aufgrund der umfassenden Überwachungsmöglichkeiten perioperativ und der Verfügbarkeit moderner, schonender Narkosemittel praktisch ohne Nebenwirkungen ist die Belastung durch Narkose für den Patienten heutzutage auf ein Minimum zurückgegangen.

Man ist in seinem Leben niemals besser überwacht als während einer Vollnarkose. Sie sehen also, dass Ihre Sorgen unbegründet sind und Sie sich nicht vor einer Vollnarkose fürchten müssen.

Priv.-Doz. Dr. Jan Florian Heuer, Chefarzt Augusta, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin (AINS)