Hochzeit auf der Palliativstation

“Flying Death”, also „fliegender Tod“ heißt der Motorradclub aus Witten, in dem Andreas Jäschke und Iris Bahl Mitglieder sind. Am 22. August haben die beiden Biker und ihre Freunde mit einer fröhlichen Feier den Flügelschlag ihres Club-Logos für eine Weile unhörbar gemacht: Bahl und Jäschke heirateten auf der Terrasse der Palliativstation in den Augusta Kliniken.

Es war laut Behördensprache eine sogenannte „Not-Hochzeit“, denn der Sicherheitsfachmann ist schwerst erkrankt und hat nicht mehr sehr lange zu leben. Und es war, so die behandelnden Ärzte, „sein letzter Wunsch, die ohnehin geplante Hochzeit doch noch zu erleben.“

„Wir haben sicher geglaubt“, erzählt Iris Bahl, „dass Andreas den Blasenkrebs 2015 besiegt hatte, denn wir hatten einige Jahre Ruhe.“ Im Herbst 2018 allerdings hatte der zuvor lange im Sicherheitsgewerbe tätige Jäschke überraschend wieder Probleme, musste sogar notfallmäßig operiert werden.

Erst zwei Tage vor der innerhalb eines Tages organisierten Hochzeit, erzählt Levke Hähnle, die behandelnde Ärztin, war der Bräutigam auf der Palliativstation aufgenommen worden und es war fast ein kleines Wunder, das alle Beteiligten in der Kürze der Zeit gemeinsam vollbrachten.

„Am 29. Juli hatte Andreas die Not-Operation“, erinnert sich Iris Bahl. „Den Termin zur Bestellung unseres Aufgebots hatten wir einen Tag später und mussten dann natürlich absagen.“ Dass die beiden nun doch noch Mann und Frau wurden, freute den Bräutigam besonders, aber es kostete ihn auch enorm viel Kraft. Trotzdem nahm er sich die Zeit, noch mit der lokalen Presse über diesen für ihn ganz besonderen Tag zu sprechen. „Ich hatte gedacht, er wollte das gar nicht“, sagt die Braut, „aber es war ganz eindeutig sein Wunsch.“