ACP-Workshop des Ambulanten Ethikkomitees:
Patientenverfügung professionalisiert

„Mancher Verfasser einer Patientenverfügung, z.B. im Altenheim, hat die Formulierungen und/oder deren Konsequenzen nicht verstanden oder kann sich nicht artikulieren“, sagt eine der Kursteilnehmerinnen beim Intensiv-Workshop des Ambulanten Ethikkomitees in Bochum (AEB). „Dann sind die Verfügungen nichts wert und können evtl. nicht beachtet werden.“ Eine fatale Situation. Viele führende deutsche Köpfe sind für Gesetzesänderungen, für Anpassungen der Standardverfügungen – und natürlich vor allem für einen professionell begleiteten Kommunikationsprozess, der in Australien und Neuseeland schon extrem gut funktioniert. Dafür allerdings braucht es Ausbildungen. Und die bietet das AEB an.

„Sie haben ihre Patientenverfügung selbst gemacht? Ohne Hilfe bzw. fachkundige Beratung?“ Prof. Dr. Jürgen in der Schmitten nahm bei seinem Besuch in Bochum vor etwa einem Jahr, beim ersten Intensiv-Workshop des AEB, kein Blatt vor den Mund und sagte ganz deutlich was er meint: „Dann können sie die Verfügung auch gleich wegschmeißen.“ In der Schmitten ist Allgemeinarzt, Psychotherapeut und Palliativmediziner - und Protagonist von „Advance Care Planning" (ACP = gesundheitliche Vorausplanung).

Bei ACP geht es um die Etablierung eines professionell begleiteten Kommunikationsprozesses, der Menschen bei der Entwicklung ihrer individuellen Patientenverfügung unterstützt. „Das kann in der Tat kaum jemand allein“ sagt die Bochumer Palliativmedizinerin Dr. Birgitta Behringer, Sprecherin des AEB. Behringer und das Komitee haben im Gesundheitszentrum Bochum an der Bergstraße gerade mit ihren Kursteilnehmern die letzte Einheit einer Ausbildungsmaßnahme abgeschlossen, die Menschen aus dem Gesundheitswesen dazu befähigt, diesen wichtigen Kommunikationsprozess kompetent zu begleiten. Es ist bereits der dritte Intensivkurs.

Stationäre und ambulante palliative Versorgung, sagt auch Prof. Dr. Dirk Behringer als Leiter des Onkologischen Zentrums Augusta und AEB-Mitstreiter, „sind in Bochum über die Zusammenarbeit des Palliativnetz Bochum e.V. mit unterschiedlichsten Institutionen bereits exzellent vernetzt. Auf dieser Ebene sind Therapieziele in den einzelnen Versorgungsstrukturen abgestimmt. Für die anderen Patienten – und das sind die meisten - gibt es aber bisher keine verbindlichen Regelungen.“

Und da will das Ethikkomitee mit ACP verstärkt ansetzen. Einige Mitarbeiter aus Bochumer Altenheimen waren bei dem höchst anspruchsvollen mehrtägigen (!) Workshop dabei und haben nun – wie die anderen Teilnehmer das notwendige Zertifikat für den professionell begleiteten Kommunikationsprozess von ACP. Weitere Kurse sind im Übrigen geplant.

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