Klinisches Endometriosezentrum Augusta zertifiziert

Endometriose ist eine chronisch verlaufende Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter - meistens im kleinen Becken – ansiedelt. Je nach Ausprägung entstehen oberflächliche Wucherungen im Peritoneum und/oder Knoten in den bindegewebigen Strukturen (Faszien und Bänder), die die Darm-, Blasen- oder Harnleiterfunktion beeinträchtigen und zu entsprechenden Schmerzen führen können.

Die Schmerzen treten in unterschiedlicher Stärke bei der Menstruation (Dysmenorrhoe), beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie), beim Stuhlgang (Dyspareunie) oder beim Wasserlassen (Dysurie) auf.

Viele der Patientinnen bleiben kinderlos, wobei man den ursächlichen Zusammenhang zwischen unerfülltem Kinderwunsch und Endometriose noch nicht abschließend hat klären können. Die durchschnittliche Zeit vom Auftreten der Beschwerden bis zur Diagnose dauert heute immer noch bis zu 7 Jahren, weil nicht jedem Unterbauchschmerz eine Endometriose zu Grunde liegt und die Symptome deswegen häufig lange als banal angesehen werden. Folge ist, dass sich die Endometriose-Patientinnen oftmals sehr lange unverstanden und nicht Ernst genommen fühlen.

Deswegen haben die Stiftung Endometrioseforschung und die Endometriose-Vereinigung Deutschland die Zertifizierung von Endometriosezentren ins Leben gerufen.

Voraussetzung dafür, dass eine Klinik sich als „klinisches Endometriosezentrum“ bezeichnen darf ist, dass eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Gynäkologie, Viszeralchirurgie, Urologie, Kinderwunschklinik und Pathologie nachgewiesen werden kann. Darüber hinaus wird dieses Netzwerk durch Zusatzangebote wie Schmerztherapie, Einleitung von Rehabilitationsmaßnahmen, Verordnung von Krankengymnastik und Ernährungsberatung ergänzt.

Einen besonderen Stellenwert in der weiterführenden Therapie der Endometriose hat die Psychosomatik, da durch die oft langen Leidensgeschichten reaktiv depressive Symptome auftreten können.


Im Erstgespräch wird die Patientin umfassend über die Erkrankung, Ursachen und Therapieoptionen informiert. Das dann nach der gynäkologischen Untersuchung mit ihr zusammen entwickelte vorläufige Therapiekonzept richtet sich an den Symptomen aus und setzt unter Umständen das Hinzuziehen der Nachbardisziplinen voraus, ggfs. muss eine Operation interdisziplinär geplant werden. Einmal in der Woche tagt eine interdisziplinäre Konferenz, auf der Befunde zusammengetragen werden und ein gemeinsames operatives Therapiekonzept erarbeitet wird.

Der intraoperative Befund wird auf jeden Fall fotodokumentiert, damit man jederzeit auf den Befund zurückgreifen und bei eventuell nachfolgenden Operationen Vergleichsparameter hat. Diese Befunde werden postoperativ eingehend erörtert und das weitere Vorgehen (z.B. Schmerztherapie, Kinderwunschbehandlung, Rehabilitationsmaßnahmen, komplementäre Verfahren) besprochen.

Als Zentrum ist es uns ein Anliegen, den hoffentlich eingetretenen Therapie-Erfolg zu überprüfen. Hierfür kontaktieren wir unsere Patientinnen ein Jahr nach der Entlassung aus der stationären Behandlung über unser Sekretariat. Bei Beschwerden können sich die Patientinnen aber jederzeit in unserem Zentrum beraten lassen.