Das neue Begutachtungsassesment NBA

Mit dem neuen Begutachtungsverfahren NBA erfassen Prüfer, die von den Pflegekassen beauftragt werden, ab 2017 alle wichtigen Gesichtspunkte der Pflegebedürftigkeit aufgrund körperlicher, psychischer und kognitiver Beeinträchtigungen. Ausschlaggebend für die Zuweisung eines Pflegegrades wird künftig der Grad der Selbstständigkeit einer Person in folgenden sechs Bereichen sein:

Was genau prüft der MDK in diesen 6 Bereichen?

Die Bewertung der Selbstständigkeit

Selbstständig:

Die Person kann die Aktivität in der Regel selbstständig durchführen.

Überwiegend selbstständig:

Die Person kann den größten Teil der Aktivität selbstständig durchführen.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Ein Patient ist grundsätzlich in der Lage Treppen zu steigen, braucht aber aus Sicherheitsgründen einen Gehstock, damit er sich sicher fühlt.

Überwiegend unselbstständig:

Die Person kann die Aktivität nur zu einem geringen Anteil selbstständig durchführen.
Gleiches Beispiel mit einigen Variablen:
Der Patient kann nur dann Treppensteigen wenn eine Begleitperson ihn führt und am Arm unterstützt.

Unselbstständig:

Die Person kann die Aktivität in der Regel nicht durchführen bzw. steuern, auch nicht teilweise.

Wichtig ist es zu berücksichtigen, dass es auch dann als selbstständig gilt, wenn der Patient sich durch ein Hilfsmittel, z.B. einen Rollstuhl, wieder ohne fremde Hilfe bewegen kann.

1. Mobilität:

Vier Kriterien werden ausgewertet das Ergebnis fließt mit 10% in die Gesamtwertung ein:

  • Positionswechsel im Bett,
  • stabile Sitzposition halten,
  • Aufstehen aus sitzender Position und Umsetzen,
  • Fortbewegen innerhalb des Wohnbereiches und Treppensteigen.
  • 0 Punkte = selbstständig
  • 1 Punkt = überwiegend selbstständig
  • 2 Punkte = überwiegend unselbstständig
  • 3 Punkte = unselbstständig
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten:

Folgende Kriterien werden mit bewertet.

  • Personen aus dem näheren Umfeld erkennen,
  • örtliche Orientierung,
  • zeitliche Orientierung,
  • Gedächtnis,
  • Alltagshandlungen in mehreren Schritten ausführen oder steuern, zum Beispiel ankleiden,
  • Entscheidungen im Alltagsleben treffen, Wetter angepasste Kleidung auswählen,
  • Sachverhalte und Informationen verstehen zum Beispiel Informationen aus der Presse nachvollziehen können
  • Risiken und Gefahren erkennen,
  • elementare Bedürfnisse mitteilen, Aufforderungen verstehen,
  • sich an einem Gespräch beteiligen.
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen:

  • Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, zum Beispiel zielloses Umherwandern
  • nächtliche Unruhe, bis hin zum Umkehr Tag-Nacht-Rhythmus
  • selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, zum Beispiel sich selbst schlagen
  • Beschädigung von Gegenständen, wegschieben, treten, zerstören von Gegenständen
  • physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, zum Beispiel Personen schlagen kratzen oder treten
  • verbale Aggressionen, wie Beschimpfungen oder Bedrohungen
  • andere vokale Auffälligkeiten, z.B. lautes Rufen, klagen, seltsame Laute ausstoßen,
  • Abwehr pflegerischer oder anderer unterstützender Maßnahmen,
  • Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen, z.B. sehen von imaginären Personen
  • Ängste,
  • Antriebslosigkeit, depressive Stimmungslage, z.B. kaum Interesse an der Umwelt
  • sozial inadäquate Verhaltensweisen, z.B. unangemessene körperliche Annäherungsversuche
  • sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen, z.B. Kotschmieren, urinieren Horten von Gegenständen

Aus dem Themenmodul 2 oder 3 werden Häufigkeiten erfasst und mit Punkten gewertet

  • 0 Punkte = selten oder nie
  • 1 Punkt = selten
  • 2 Punkte = häufig
  • 3 Punkte = täglich

Die Gesamtpunktzahl wird in beiden Bereichen berechnet, je nachdem welcher Themenschwerpunkt die höhere Bewertung erreicht, der wird zu 15% in die Berechnung des Pflegegrades einfließen

4. Selbstversorgung (40 Prozent):

  • Körperpflege (vorderen Oberkörper waschen, rasieren, kämmen, Zahnpflege, Prothesenreinigung, Intimbereich waschen, duschen oder baden – einschließlich Haare waschen), An- und Auskleiden (Oberkörper an- und auskleiden, Unterkörper an- und auskleiden), Ernährung (Essen mundgerecht zubereiten/Getränke eingießen, Essen, Trinken), Ausscheiden (Toilette oder Toilettenstuhl benutzen, Folgen einer Harninkontinenz bewältigen sowie Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Folgen einer Stuhlinkontinenz bewältigen sowie Umgang mit Stoma), Bestehen gravierender Probleme bei der Nahrungsaufnahme, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf im Bereich der Ernährung auslösen (nur bei Kindern von 0-18 Monaten).

Auch in diesem Bereich werden je nach Selbständigkeit unterschiedliche Punkte (0 – 9) vergeben, die dann zu einer Gesamtpunktzahl addiert werden.

5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20 Prozent) in Bezug auf:
  • Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen oder Sauerstoffgabe, Einreibungen, Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel, Verbandswechsel und Wundversorgung, Wundversorgung bei Stoma, regelmäßige Einmal-Katheterisierung, Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung, zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuch anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnter Besuch medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen und Besuch von Einrichtungen zur Durchführung von Frühförderung (nur bei Kindern).
  • In diesem Bereich werden die Häufigkeiten der einzelnen Tätigkeiten summiert und in einen Durchschnittswert pro Tag umgerechnet. Die Durchschnittswerte werden addiert und dann den entsprechenden Einzelpunkten zugewiesen.
     
  • 0 – 4,3 = 0 Punkte
  • 4,3 – 8,6 = 1 Punkt
  • 8,6 – 12,9 = 2 Punkte
  • 12,9 – 60 = 3 Punkte
  • 60 und mehr = 6 Punkte
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 Prozent):

Tagesablauf gestalten und an Veränderungen anpassen, Ruhen und Schlafen, sich beschäftigen, in die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt und Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfeldes.

  • 0 Punkte = selbständig
  • 1 Punkt = überwiegend selbständig
  • 2 Punkte = überwiegend unselbstständig
  • 3 Punkte = unselbstständig

Genau genommen gibt es neben den sechs beschriebenen Modulen noch zwei weitere Bereiche: Außerhäusliche Aktivitäten (7) und Haushaltsführung (8).Diese beiden Module werden jedoch nicht für die Einstufung der Pflegebedürftigkeit herangezogen, sondern sollen vor allem Pflegekräften eine individuellere Pflegeplanung ermöglichen.

Pflegebegutachtung

Für jedes Modul ergibt sich ein errechneter Punktwert der entsprechend dem Schaubild dann prozentual gerechnet wird.

Wichtig: der Unterstützungsbedarf ist voraussichtlich über mindestens 6 Monate notwendig

Der Medizinische Dienst gibt die Daten in eine Tabelle ein, die Berechnung erfolgt dann automatisch.

Zusätzlich zum Pflegegrad ermittelt der MDK die Notwendigkeit einer Präventions- oder Rehabilitationsmaßnahme.

Die Pflegekasse nimmt dann Kontakt mit dem Versicherten und dem behandelnden Arzt auf, um ggf. eine Reha-Maßnahme einzuleiten. Ein gesonderter Antrag ist nicht nötig.

Weitere Empfehlungen und Hinweise für die Pflegekasse sind ebenfalls im Gutachten enthalten:

  • Notwendige Pflegemittel
  • Notwenige Hilfsmittel
  • Therapeutische Maßnahmen
  • Wohnumfeldverbesserung
  • Beratung/ Anleitung
  • Präventive Maßnahmen
  • Pflegeberatung